Avvassena | Marina Anconatoni | Ruth Boxler | by VAN LEEUWEN ART

11.08.2026 – 14.09.2026

 
WHY MUST IT BE ABOUT WHAT WE SEE”
Avvassena | Marina Anconatoni | Ruth Boxler

Curated & Presented by VAN LEEUWEN ART

Diese Ausstellung vereint drei Künstlerinnen, die auf unterschiedliche Weise hinterfragen, wie das Sichtbare unsere Wahrnehmung prägt. Ihre Arbeiten zeigen, dass Sehen kein neutraler Vorgang ist, sondern von Erfahrung, Technologie und kulturellen Erwartungen beeinflusst wird.

Avvassena bringt eine junge, experimentelle Perspektive ein. Ihre hybride, prozessorientierte Praxis reflektiert, wie digitale Werkzeuge und zeitgenössische Bildkulturen den Akt des Sehens verändern.

Marina Anconatoni nutzt Abstraktion, Farbe und Materialität, um die unmittelbare Lesbarkeit zu unterlaufen. Ihre Malerei fordert ein langsames, aufmerksames Sehen und eröffnet Bedeutung erst im wiederholten Blick.

Ruth Boxler richtet ihren Fokus auf menschliche Vielfalt. Ihre Arbeiten zeigen, wie visuelle Darstellung Identität sowohl sichtbar machen als auch vereinfachen kann – und plädieren für eine empathische, nuancierte Wahrnehmung jenseits schneller Kategorien.

Gemeinsam zeigen diese drei künstlerischen Perspektiven, dass Kunst mehr tut, als nur zu zeigen sie verschiebt Blickwinkel und macht das Unsichtbare sichtbar. Die Ausstellung lädt dazu ein, Wahrnehmung neu zu denken und die Grenzen des Sichtbaren zu hinterfragen.


This exhibition brings together three female artists who, each in their own way, question how the visible shapes our perception. Their works reveal that seeing is never neutral; it is influenced by experience, technology, and cultural expectation.

Avvassena introduces a young, experimental perspective. Her hybrid, process-driven practice reflects how digital tools and contemporary image cultures transform the act of seeing itself.

Marina Anconatoni uses abstraction, color, and materiality to disrupt immediate readability. Her paintings invite slow, attentive looking, allowing meaning to emerge gradually through repeated encounters.

Ruth Boxler focuses on human diversity. Her work shows how visual representation can both reveal and simplify identity, advocating for a more nuanced and empathetic way of perceiving others beyond quick categorization.

Together, these three artistic point of views demonstrate that art does more than show it shifts perspectives and makes the unseen visible. The exhibition invites viewers to rethink perception and to question the boundaries of the visible.


Öffnungszeiten Ausstellung

Mi – Fr: 13.00 – 18.00 Uhr
Sa – So: 12.00 – 16.30 Uhr
Persönliche Termin gerne auf Anfrage


Apero

Donnerstag, 13. August 2026 18.00 – 20.00 Uhr


Kontakt

VAN LEEUWEN ART | Patricia van Leeuwen www.vanleeuwenart.com contact@vanleeuwenart.com +41 79 927 3504


Avvassena

Avvassena’s Beitrag zur Ausstellung markiert einen deutlichen generationellen Wandel im Verständnis von Sichtbarkeit. Ihre interdisziplinäre Praxis zeigt, wie digitale Werkzeuge, hybride Prozesse und fluide Identitäten unsere Wahrnehmung prägen und zugleich verändern, wie wir selbst gesehen werden. Indem sie traditionelle Hierarchien zwischen Medium und Botschaft auflöst, rückt sie Intuition und konzeptuelles Risiko ins Zentrum ihrer Arbeit. So erweitert sie die Leitfrage der Ausstellung und untersucht, wie zeitgenössische Technologien die Bedingungen des Sehens selbst transformieren.

In der Ausstellung präsentiert Avvassena drei Werkkomplexe, die sich alle mit Formen von Verbundenheit, Wachstum und gemeinsamer Herkunft beschäftigen:

UBUNTU GATE Eine leichte, schwebende Installation aus gespendeten Röntgenfolien und farbigen, halbtransparenten Formen. Die Besucher*innen bewegen sich um und durch das Netzwerk, in dem Individualität und Gemeinschaft ineinander übergehen. In einer fragmentierten Welt bietet Ubuntu Gate ein Bild erneuerter Verbundenheit und geteilter Menschlichkeit.

GREGARIOUSNESS. FROM PLANCK TO GOOGOL Carborundum-Mikrokristalle, gedacht als elementare Einheiten im Planck-Maßstab, lagern sich zu einer kontinuierlichen, organismusähnlichen Struktur an. Bedeutung entsteht durch Verbindung, nicht durch Dominanz einzelner Partikel. Das Werk reflektiert ein universelles Prinzip des Wachstums durch Aggregation: vom Unendlich-Kleinen zum Unvorstellbar-Großen.

HUMAN COSMOGONY Durch die Überlagerung von Röntgenaufnahmen verschiedener Menschen entsteht eine neue, verletzliche kosmische Bildwelt. Die Arbeit erinnert an den frühesten Moment menschlicher Existenz, als Selbst und Anderer ununterscheidbar waren und Leben vollständig von einem anderen Körper abhing. Human Cosmogony wird zur Meditation über gemeinsame Ursprünge und universelle Verbundenheit.

Avvassena‘s Werk öffnet einen Raum, in dem das Sichtbare nicht als Grenze, sondern als Ausgangspunkt für ein erweitertes Verständnis von Gemeinschaft, Wahrnehmung und menschlicher Existenz erscheint.


Avvassena’s contribution to the exhibition marks a clear generational shift in how visibility and perception are understood. Her interdisciplinary practice reflects a world shaped by digital tools, hybrid processes, and fluid identities, conditions that transform both how we see and how we are seen. By dissolving traditional hierarchies between medium and message, she places intuition and conceptual risk at the center of her work. In doing so, she expands the exhibition’s guiding question, examining how contemporary technologies fundamentally alter the conditions of perception.

In the exhibition, Avvassena presents three interconnected bodies of work, each exploring forms of connection, growth, and shared origin:

UBUNTU GATE A light, floating installation composed of donated X-ray sheets and multicolored, semi-transparent forms. Visitors move around and through the network, experiencing a space where individuality and community merge. In a fragmented world, Ubuntu Gate offers an image of renewed bonds and shared humanity.

GREGARIOUSNESS. FROM PLANCK TO GOOGOL Carborundum microcrystals, conceived as elemental units at the Planck scale, accumulate into a continuous, organism-like structure. Meaning emerges through connection rather than dominance. The work reflects a universal principle of growth through aggregation: from the infinitesimal to the immense.

HUMAN COSMOGONY Layered abdominal X-ray images from multiple individuals form a new, vulnerable cosmic landscape. The work evokes the earliest moment of human existence, when self and other were indistinguishable and life depended entirely on another body. Human Cosmogony becomes a meditation on shared origins and universal interdependence.



Marina Anconetani

Marina Anconetani hat über fünfzehn Jahre hinweg eine unverwechselbare abstrakte Bildsprache entwickelt, in der Experimentieren zu einer konsequenten künstlerischen Methode wird. Mit ungewöhnlichen Materialien – insbesondere Asphaltfarbe – verwandelt sie Materie in strukturreiche, emotional aufgeladene Oberflächen, in denen Farbe, Geste und Zufall miteinander verschmelzen.

Ihre Gemälde eröffnen eine intime, offene Begegnung. Jedes Werk verändert sich mit jedem Blick und spiegelt ihre vom Kaizen-Prinzip inspirierte Vorstellung kontinuierlicher Transformation wider. Nichts ist jemals vollständig abgeschlossen; alles bleibt in Bewegung und entfaltet sich im Dialog mit der Betrachtung.
Heute erweitert Anconetani diese Entwicklung in den digitalen Raum. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality überschreitet sie die physischen Grenzen der Malerei und schafft sinnliche Erfahrungen, in denen sich Materielles und Virtuelles begegnen. Zwischen Tradition und Innovation entsteht ein zeitgenössischer poetischer Kosmos einer, in dem Emotion dem Verstehen vorausgeht und der Akt des Sehens zu einer fortlaufenden Reise wird.


Marina Anconetani has spent more than fifteen years developing a distinctive abstract language in which experimentation becomes a sustained artistic method. Working with unconventional materials, most notably asphalt paint, she transforms matter into textured, emotionally charged surfaces where color, gesture, and chance are in constant dialogue.

Her paintings invite an intimate, open-ended encounter. Each work shifts with every gaze, reflecting her Kaizen-inspired belief in continuous transformation. Nothing is ever fully complete; every piece remains in motion, unfolding through the viewer’s presence.

Today, Anconetani extends this evolution into the digital realm. Through Artificial Intelligence and Augmented Reality, she expands painting beyond its physical boundaries, creating sensory experiences where the material and virtual meet. Bridging tradition and innovation, her abstract universe becomes a contemporary poetic exploration, one in which emotion precedes understanding, and the act of seeing becomes an ongoing journey.



Ruth Boxler

Ruth Boxler’s künstlerische Praxis richtet ihren Blick auf die menschliche Figur und umfasst das weite Spektrum menschlicher Präsenz. Ihre Arbeiten erkennen Menschen als klein und gross, dick und dünn, fröhlich und traurig, wohlhabend und kämpfend, engstirnig und grosszügig, eine unendliche Vielfalt, die sich jeder Reduktion entzieht. Boxler hinterfragt den Impuls, Individuen anhand des unmittelbar Sichtbaren zu kategorisieren, und plädiert für eine nuancierte, empathische Form des Sehens, in der Komplexität und Menschlichkeit im Vordergrund stehen.

In der Ausstellung zeigt sie Arbeiten aus der Serie „gesellschaft-publique-incompagnie“, darunter Holzfiguren und Objekten. Diese Werke eröffnen einen Raum, in dem das Individuum nicht isoliert erscheint, sondern als Teil eines vielschichtigen sozialen Gefüges. Boxlers Beitrag lädt dazu ein, die Vielfalt menschlicher Erscheinung als Ausdruck gemeinsamer Erfahrung zu verstehen, und das Sichtbare als Ausgangspunkt für ein tieferes, mitfühlendes Erkennen.
Neben die Serie werden auch einige Lithografien auf Büttenpapier ausgestellt.


Ruth Boxler’s artistic practice turns toward the human figure, embracing the full spectrum of human presence. Her works acknowledge people as small and tall, thick and thin, joyful and sorrowful, wealthy and struggling, narrow-minded and generous, an endless multiplicity that resists reduction. Boxler challenges the impulse to categorize individuals based on what is immediately visible, advocating instead for a nuanced, empathetic mode of seeing in which complexity and humanity take precedence.

In this exhibition, she presents works from the series “gesellschaft publique incompagnie,” including wood figures and sculptural objects. These pieces open a space in which the individual does not appear isolated but emerges as part of a layered social fabric. Boxler’s contribution invites viewers to understand the diversity of human appearance as an expression of shared experience, and to approach the visible as a starting point for deeper, more compassionate recognition.

Alongside this series, several lithographs on handmade paper are also exhibited, extending her exploration into another material and expressive dimension.